Liebe Judith,
Wenn man sich deine Biographie so ansieht, ist man geradezu überwältigt, was für ein schillerndes und aufregendes Leben Du bisher gehabt haben musst. Würdest Du sagen, dass Du so weit sehr viel Glück hattest bzw. gesegnet bist oder ist das alles Ergebnis harter Arbeit?
Klar, kommt alles nicht von irgendwo her, man muss für seine "Träume" hart arbeiten und ab und zu auch auf die Zähne beißen. Ich lebe für die Musik und das heißt ein ständiges "Auf und Ab", für das es sich immer lohnt zu kämpfen.
Wieso hast Du dich damals dazu entschlossen, beim Casting für RTLs „Deutschland sucht den Superstar“ teil zu nehmen? Wieso hast Du dann - als eine der Favoritinnen - freiwillig aufgehört, obwohl Du es doch bis in die Top 10 geschafft hast?
Die Freundin meiner Mutter arbeitet schon sehr lange bei Bertelsmann und damals in der RTL-Abteilung. Sie war diejenige, die das Anmeldeformular ausgefüllt und weggeschickt hat. Ich bin dann zum Casting nach Hamburg gefahren und bin erstaunt gewesen, dort weiter gekommen zu sein. Hatte keine großen Erwartungen. Der plötzliche Ausstieg kam dann von mir. Mit wuchs alles über den Kopf und da das Familienleben, sprich das Private, nach außen gekrempelt wurde, bekam ich Angst, denn die Familie soll die sein, die Dich schützt.
Wie kam es, dass Du die Hauptrolle in dem Musical AIDA bekommen hast? Was hat dir diese besondere Rolle bedeutet? Wie gefällt dir das Musical-Genre generell?
Mein damaliges Management hat die Anfrage der Stage Holding sofort an mich weitergeleitet und auch ich musste mich, wie alle anderen, ganz normal "bewerben". Ich bekam einen Sprechtext, den ich auswendig spielen und ein Stück, welches ich vorsingen musste. Als ich die Nachricht bekam, sie hätten sich für mich entschieden, und dann noch die Hauptrolle, da hab ich echt vor Freude geweint. Musical war für mich etwas ganz neues. Viele Menschen um mich herum und hartes, konzentriertes und diszipliniertes Arbeiten kam auf mich zu.
Die Rolle der AIDA spielen zu dürfen war für mich eine große Ehre und ich habe die Rolle immer und immer mehr geliebt und gelebt. Was mich am Musical-Genre so begeistert? Man hat viele liebe Kollegen, mit denen man sowohl auf der Bühne, als auch privat eine Menge Spaß haben kann.
Was genau ist das Musical "Hautnah"? Wie gefiel dir das Tournée-Leben im Vergleich zu der „Festanstellung“ bei AIDA? An was erinnerst Du dich am liebsten in dieser Zeit?
Musical "Hautnah" ist eine Musical-Gala, bei der man ohne großen Kostüme
und Kulissen in die Lieblingsrollen seiner Vorbilder schlüpfen kann. Musical "Hautnah" besteht aus acht Livemusikern, sechs Sängern (drei Männern und drei Frauen), einer technischen Crew (Licht, Ton), dem Dirigenten und dem Manager. Musical "Hautnah" präsentiert die größten Songs aller bekannten Musicals, die teilweise auch noch laufen. Da ich durch meine Hautfarbe immer ganz bestimmte Rollen bekommen würde, genieße ich es umso mehr, Rollen zu singen, wie unter anderem Cats und Grease. Ich erinnere mich gerne an die Zeit, da wir alle Sänger unterschiedlicher Herkunft waren, von Schweden über Holland, von Amerika bis Deutschland. Wir hatten jeden Tag eine Menge Spaß und haben in der Zeit viel an Erfahrung und Ausdauer dazugelernt.
Bei einer Festanstellung bekommt man meistens einen Jahresvertrag und bei Musical "Hautnah" ging es über drei Monate und man war ein freiberuflicher und selbstständiger Sänger.
Geboren bist Du ja in Indien, aber gelebt hast Du dort ja nie wirklich. Was für eine Rolle spielt das Thema Indien in deinem Leben? Beeinflusst es Dich auch als Künstlerin?
Dass ich in Manipal im Staat Karuataka geboren wurde, ist leider auch das einzige, was ich weiß. Ich habe weder Eltern noch Verwandtschaft, von denen ich irgendetwas weiß, noch kenne. Außer, dass ich indisch aussehe, erinnert mich sonst gar nichts an Indien. Ich bin halt eine Deutsche und wenn mich jemand anguckt, sage ich "Ich weiß, ich komme nicht von hier, ich komme aus Rheda-Wiedenbrück *lach*"

Du bist vor kurzem Mutter geworden, wozu wir dir natürlich ganz herzlich gratulieren... Wie denkst Du, dass dein Leben nun weitergeht? Wird deine kleine Tochter immer in der ersten Reihe sitzen oder wirst Du erst einmal eine kleine Pause einlegen? Wie wird es danach weitergehen?
Meine Tochter erblickte am 13.2.2008 das Licht der Welt und macht mich seitdem Tag für Tag zum glücklichsten Menschen und zur stolzesten Mutter der Welt. Ich habe und befinde mich in dem so genannten "Mutterschaftsurlaub", war jedoch schon bei dem ein oder anderen Casting, denn das Leben als Künstlerin geht weiter und die Konkurrenz schläft nicht. Außerdem ist es Geld, wovon auch sie profitiert. Sie wird später immer in der ersten Reihe sitzen, weil sie auch die erste Rolle in meinem Leben spielt.
Seit wann bist Du StagePoolerin und wie viel bringt dir, als gefeierte Musicaldarstellerin, eine solche Mitgliedschaft noch?
Seit Anfang diesen Jahres bin ich Mitglied bei StagePool. Hier hat man Zugriff auf eine große Auswahl von Angeboten, das ist für mich, in meiner jetzigen Situation als Mutter total interessant.
Besonders gefällt mir auch die Vielfältigkeit der Angebote. So bieten sich auch immer mal andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel ein Fotoshooting für Werbungen oder Schauspieljobs, die einfach nur Spaß machen.
Aktuell bin ich aber für eine Musicalproduktion angefragt, deren Vertrag mir zur Unterzeichnung vorliegt.
Übrigens habe ich diesen Job auch über StagePool gefunden :)
Vielen Dank für das Interview! Dir und Deiner Tochter wünschen wir von Herzen alles Gute!!
Fotografin: Eva Sträter