SAMSTAG, DEN 4. SEPTEMBER 2010

 
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Backstage mit Chris Murray



 

StagePooler Christ Murray gibt am 23. November 2005 sein erstes Musical-Konzert in der Berliner Tribüne, „Musical Hits – Das Konzert“. Im September stand die Solo-CD „Musical Hits“ auf Platz 1 der Solo-Musical-Charts in Deutschland sowie auf Platz 3 der Male-Vocalists-Musical-Charts in den USA.


 

 

Hallo Chris. Du gehörst ja zu den Stars der deutschen Musicalszene. Beschreibe doch einmal dein Leben. Was beeinflusste Dich, Musicaldarsteller zu werden? War es schon immer dein Kindheitstraum?

 

Kindheitstraum? Nicht die Bohne. Bis zum 16. Lebensjahr waren die Planungen definitiv in Richtung Safarileiter oder Computerprogrammierer. Oder auch Psychologe. Dann stellte sich aber im Laufe des Gymnasiums heraus, dass ich eine Begabung in Richtung Musik und Darstellung hatte und nicht zur Mathematik ;-).

 

Kurz zu mir: Ich bin in Braunschweig geboren, da mein Vater als Opernsänger in Deutschland arbeitete und hier sogar Kammersänger war. Als ich 13 war, zogen wir mit Sack und Pack nach Amerika, wo ich die Schule fertigmachte und studiert habe. Danach kam ich nach Stuttgart, weil ich noch nicht gut genug war, und studierte Gesang mit der Lehrerin meines Vaters. Dann kam ich nach Berlin und, wie das Leben so spielt, lernte meine Frau kennen. Deswegen blieb ich hier und sah mich hier nach einem Job als Sänger um. Das erste, das des Weges kam, war „Phantom der Oper“.

 

Eine Solo-CD herauszubringen ist sicherlich ein großer Wunsch von vielen Musicalsängern. Erzähl doch einmal wie es dazu kam.

 

Ich wurde immer wieder von den Fans auf eine CD angesprochen. Da es keinen Sinn hat, auf die sprichwörtliche gute Fee zu warten, die einem etwas finanziert, habe ich die Sache selbst in die Hand genommen und das Album selbst produziert. Ich sehe mich da als eine Art sängerischer Ich-AG, also habe ich sie bei Sound of Music (www.soundofmusic.de) selbst produziert.

 

Wie viel Freiheit hattest Du in der Auswahl der Songs und in der Gestaltung des Albums insgesamt?

 

Da ich der Produzent und alleiniger Geldgeber war, hatte ich die Krone auf J. Ich habe mich bei den Fans umgehört, was sie gerne von mir hören wollten, und da stellte sich heraus, dass sie nicht „Chris singt Heino“ hören wollten, sondern „Chris singt Musicals“. Wie überraschend…. ;-)  Da es noch keine 15 CDs von mir gibt, lag es sehr nahe, dass ich die Songs aus dem Musical-Genre aufgenommen habe, die die Leute von mir kennen und hören wollen. Ich ärgere mich immer über mickrige Spielzeiten und obskure Songauswahlen bei CDs, die kaum Bekanntes enthalten und 20 Minuten lang sind. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Wertschätzung Musical bei vielen Sängern genießt, die damit zwar ihr Geld verdienen, dann aber meinen, unbedingt ein Pop-Rock-Album aufnehmen zu müssen, da es das ja ist, was sie „wirklich“ machen wollen. Wie oft habe ich von Kollegen den Satz gehört…“ eine CD aufnehmen? Super! …aber nein, nicht mit diesen langweiligen Musicalsachen….“ Ich denke immer…Hä???? Ich verdanke dem Musical meine Karriere, mag Musical und stehe dazu. 

 

Bei der Umsetzung war meine erste Wahl Koen Schoots mit seinem Studio MusicalNet, da er einer der besten im Musicalbereich ist und die Arrangements von ihm qualitativ einfach top sind. Ich arbeite gerne und häufig mit ihm zusammen und freue mich daher sehr, dass ich ihn für mein erstes „Baby“ im Studio mit an Bord hatte. Bei ihm wusste ich, dass er für die bestmögliche Qualität arbeiten würde.

 

 

Nun hast Du ja bereits eine kleine Familie – wie schwer ist es, die Arbeit eines Musicaldarstellers mit einer eigenen Familie zu koordinieren? Leiden deine Töchter unter deinen unregelmäßigen Arbeitszeiten?

 

Wir haben ja inzwischen zwei kleine Töchter, eine wird Ende Oktober drei und eine ist jetzt knapp vier Monate alt. Ich habe eigentlich gefunden, dass meine Arbeitszeiten da eher ein Vorteil sind, da ich meine Kinder bedeutend häufiger sehe, als wenn ich einen Bürojob hätte, bei dem ich täglich  von 9 bis 5 außer Haus wäre. Ich nehme meine Familie auch bei Gastspielen fast immer mit, da ich gefunden habe, dass es mir und damit auch meiner Arbeit besser bekommt, wenn ich die Familie um mich habe, und insofern geht das alles prima.

 

 

 

 

 

 

Hast Du schon einmal über StagePool eine Arbeit gefunden? Wurdest Du durch StagePool schon zu Castings oder Auditions eingeladen?

 

Von den großen Auditions (SE, VBW) höre ich natürlich meistens direkt, aber von einigen kleineren Produktionen habe ich schon durch Stagepool erfahren. Auch wenn man manches von Agenten erfährt, ist Stagepool im Netz doch meine erste Anlaufstelle, da dort sehr viele interessante Produktionen aufgeführt sind.

 

Du hast ja eine sehr große Fangemeinde, was man auch auf deiner Homepage sieht. Hast Du denn auch außerhalb deiner Homepage viel mit Fans zu tun? Wie gehst Du mit ihnen um?

 

Ich bin dankbar und freue mich sehr, dass es Menschen gibt, denen ich mit meiner Arbeit eine Freude machen kann. Sie sind eigentlich alle sehr lieb zu mir, und ich habe schon öfter die nettesten Einladungen gehabt und auch ab und zu wahrnehmen können. Außerdem finde ich, es ist Teil unseres Berufes, nett zu den Leuten zu sein, die durch ihren Enthusiasmus uns unseren Beruf erst ermöglichen, indem sie ihr hartverdientes Geld in die Theater tragen oder CDs kaufen.

 

 

 

Hast Du schon einmal versucht, selbst ein Musical zu schreiben – oder lässt Du das lieber die anderen machen?

 

Ja, ich habe ein, wie ich hoffe, recht gutes Musical geschrieben zusammen mit meinem Bruder. Es geht um das Leben von Edgar Allan Poe, über den ja leider viel Unsinn verbreitet wird. Sein Leben war unglaublich spannend, aber es wird viel zu oft mit seinen Werken durcheinander gebracht, und auf einmal ist er ein nekrophiler Spinner, der berauscht und wild fantasierend durch das Leben torkelt, was überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Wie auch bei E.T.A. Hoffmann werden er und sein Werk gerne verwechselt. Sein Leben ist auch so super dramatisch gewesen, ohne dass man es verfälschen müsste. Es ist, denke und hoffe  ich, ein sehr gutes Stück geworden mit aufregender Musik, und ich hoffe, bald einen Workshop und vielleicht eine Konzept-CD zu machen. Wenn jemand es produzieren möchte – nur zu, bitte melden J !!!

 

Was ist dein absolutes Lieblingsmusical? Gibt es Musicals, von denen Du total enttäuscht warst?

 

Es gibt sehr viele gute Musicals, die ich sehr mag. Musikalisch eines der schönsten ist immer noch Menkens „Glöckner von Notre Dame“, ich liebe die Musik in dieser Show, weil sie so anspruchsvoll ist. Enttäuscht war ich, als ich „Hair“ das erste Mal auf der Bühne gesehen habe. Ich bewundere den Film und die Musik, aber die Bühnenshow habe ich als Aneinanderreihung total sinnfreier Feel-Good-Nummern empfunden, denen die kritische Aussage des Filmes total abging. Erstaunlich finde ich es auch immer, wie 35jährige etwas über „Ich bin gerade in der Highschool“ singen. Schließlich wurde man mit 17 oder 18 eingezogen und nicht mit Ende 20 oder Anfang 30.

 

 

 

 

 

 

 

 

Was denkst Du über den Broadway? Ist es ein Traum von Dir, einmal am Broadway zu spielen?

 

Am Broadway war ich immer über die Qualität des Gesanges enttäuscht. Mein Bruder hat dort ein Jahr lang Piangi gesungen, und ich habe dort daher viele Shows gesehen. Ich muss sagen, dort wird auch nur mit Wasser gekocht. Es gibt natürlich unglaublich tolle Sachen dort, neue Shows, tolle Sänger…. Es kommt unglaublich viel Kreatives von dort in Sachen neue Stücke, und natürlich hat eine Stadt, die als einzige in einem 280 - Millionen - Menschen - Land eine wirkliche Theaterszene besitzt – auch die Musicals in anderen amerikanischen Städten werden in der Regel in New York besetzt – einen unheimlich großen Talentpool. Aber die durchschnittliche Aufführungsqualität von Shows in Deutschland steht der am Broadway in nichts nach. Außerdem geht es den Künstlern hier vom Sozialen her viel besser in Sachen Urlaubs- und Krankheitsregelungen. Ich kenne z.B. kein einziges Broadway-Theater, das eine Kantine hätte…

 

Natürlich würde ich dort gerne einmal spielen, wenn es ein interessantes Stück mit einer guten Rolle ist, aber meine Seligkeit hängt nicht davon ab.

 

 

Erzähle uns ein bisschen von deinem Konzert „Musical Hits – Das Konzert“. Was wirst Du singen? Wer wird noch auftreten?

 

Ich freue mich sehr auf das Konzert in der Berliner Tribüne (Termin: Mittwoch, 23.11.2005 um 20 Uhr, Ort: TRIBÜNE, Otto-Suhr-Allee 18, 10585 Berlin-Charlottenburg, Tickets: 26 bis 15 Euro, Ticket-buchungen: www.tribuene-berlin.de oder Telefon: 030/341 26 00).

 

Es ist mein erstes großes Musical-Solo-Konzert, unter dem Motto „Wünsche und Träume“, und ich habe ein bunt gemischtes „Musicals – and – more“- Programm zusammengestellt, das auch, aber keineswegs nur, Songs von meiner CD enthält (z.B. aus „Disney’s Der Glöckner von Notre Dame“, „Elisabeth“, „Jekyll & Hyde“, „Tanz der Vampire“, „Das Phantom der Oper“, „Les Misérables“), aber auch viele andere interessante Nummern. Zu meiner großen Freude ist Koen Schoots wieder mit an Bord, und auch einige Kollegen werden Gastauftritte haben, so dass es auch ein paar Duette geben wird. Wer, wird hier noch nicht verraten, schließlich soll es am Abend auch noch ein paar Überraschungen geben J.

 

 

Im übrigen kann ich für weiter gehende Infos nur auf meine recht ausführliche Homepage www.chris-murray.de verweisen, da finden sich eigentlich immer alle Neuigkeiten.

 

 

 

Vielen Dank, Chris, dass Du dir die Zeit genommen hast unsere Fragen zu beantworten. Für dein Konzert am 23. November sagen wir toi, toi, toi!!

 

 




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